Hintergrund

Samstag, 10. April 2010

Ab in die Wüste

28.03.2010 Fahrt in die Wüste
Beim Frühstück bin ich heute etwas vorsichtig, wir fahren lange Bus. Also lieber nicht zuviel Café.
Um 11.15 Uhr soll der Bus fahren, eine halbe Stunde vorher sollte man da sein. Das Gepäck wird ähnlich wie beim Flieger eingecheckt und man bekommt einen Gepäckaufkleber.
Um halb zwölf sitzen dann alle im Bus. Der Bus fährt vor und zurück, wird aufgetankt, dann Reifendruck geprüft, dann wieder vor und zurück...bis eine Stunde rum ist. Eine Verspätung aus Casablanca hätte ich ja verstanden, aber das? Dann fährt er noch zum anderen Busbahnhof und sammelte drei Leute ein, verkeilt sich hoffnungslos mit drei anderen Bussen, als das Gewirr dann aufgelöst ist, konnte es endlich losgehen.

Durch Serpentinen schraubt sich der Bus durch den Hohen Atlas, die Landschaft ist schon sehr viel karger. Die ersten Frauen wandern schon im Gang auf und ab in der Hoffnung, die Übelkeit in den Griff zu bekommen, aber das ist ja erst der Anfang. Vor uns Mutti mit zwei Kindern, allen ist übel, aber sie scheinen das Problem zu kennen, sie haben Tüten dabei. Mir ist bisher nicht übel, aber der Geruch läßt mich zweifeln. Die Serpentinen nehmen kein Ende und ich hoffe, dass der Buss auf dem Pass eine Pause einlegt. Bei jeder Kurve schaukelt der Bus und schraubt sich immer höher. Endlich der Pass – aber keine Pause.

An einer schönen Raststätte kommt endlich die lang ersehnte Pause Vielen ist schlecht, eine weint – alle sind froh, erstmal aus dem Bus zu kommen.


Ein Dorf im Hohen Atlas


Wir unterhalten uns mit dem Verkäufer der Raststätte. Er wohnt in dem Dorf (Bild) und kann nicht lesen. Aber spricht ein wenig Deutsch (gar nicht so schlecht), englisch, französisch, japanisch und spanisch. Hat er alles von Touristen gelernt, sagt er.

Hassan spricht uns an. Er wohnt in Ouled Driss, ein Dorf vor M'hamid und bietet auch Kameltrekking an. Im ersten Moment wollen wir nicht, haben auch nur ein Ticket bis Zagora und überhaupt. Aber er gewinnt unser Vertrauen. Wir erinnern uns an Vietnam, wo wir auch auf der Fähre angesprochen wurden und am nächsten Tag eine tolle Mekong Fahrt gemacht hatten.

Da wir auch kein Hotel in Zagora haben und die Verspätung eher mehr wird als weniger, lassen wir uns auf den Handel ein. Im weiteren Verlauf der Fahrt ist mir nicht so gut, habe zu wenig gegessen und das Geschlinger des Busses (die kippen immer so von rechts nach links) geht mir auf den Magen. Ich träume von frischen Karotten und Erdnüssen.

Im Zagora lösen wir ein Ticket nach M'hamid nach und Christian paßt auf, dass unser Gepäck nicht in Zagora ausgeladen wird. Hassan hat derweil das Abendessen organisiert. Er sagt, wenn wir bei ihm zu Hause angkommen, gibt es Couscous. Seine Verwandtschaft aus Casablanca ist gerade da, die wünschen sich Couscous. Das ist uns recht.

Gegen 22.30 Uhr kommen wir endlich total fertig in Ouled Driss an. Hassan wohnt direkt in der Kasbah. Es ist stockdunkel da drin und in den Gassen würden wir uns sofort verlaufen. Er zeigt uns die Zimmer und wir sind sofort begeistert. Dass er das richtig professionell aufgezogen hat, war uns nicht so klar. Ein schönes Zimmer mit Dusche und WC, nett eingerichtet. Auch die anderen Zimmer hat er liebevoll eingerichtet. Gegessen wird unten, dort ist es auch zur Mittagszeit schön kühl.

Von der Harira und dem Couscous kann ich leider nicht viel essen, mein Magen ist noch viel zu durcheinander. Ich zwinge mich ein wenig dazu, denn ein leerer Magen ist noch schlimmer.
Als uns auf der Dachterrasse die Mücken umschwirren, mache ich mir Sorgen. Bin ja in Essaouira schon so angefallen worden. Mistviecher. Aber in dieser Nacht habe ich Glück!
Die trockene und auch staubinge bzw. sandige Luft hier im Süden macht mir auch zu schaffen, meine Nase schwillt zu und ich kriege kaum Luft. Habe mir auf früheren Reisen immer mit einem feuchten Tuch beholfen. Das möchte ich jetzt auch tun. Nahm also meinen tollen blauen Chech aus Essaouira und will ihn nass machen. Hatte es erst im Dunkeln versucht, weil ich Christian nicht mit dem Licht wecken wollte. Als ich aus irgendeinem Grund das Licht doch anmachen muss, sehe ich das blaue Wunder aus Essaouira! Meine Hände, das Waschbecken und überall auf dem Fussboden türkise Farbe von dem Tuch!! Meine Hände bekomme ich kaum sauber.

Hoffentlich gehen die Flecken vom Fussboden weg! Und gut, das ich mir das nicht einfach so auf mein Gesicht gelegt habe....ich wäre wahrscheinlich die Attraktion im ganzen Dorf geworden.

29.03.2010 Endlich in die Wüste
Wir einigen uns mit Hassan, dass wir heute um 16 Uhr mit den Kamelen starten, morgen früh gegen 10 Uhr wieder in Ouled Driss sind, bei ihm in der Kasbah Mittag essen und um 15 Uhr mit einem 4x4 Geländewagen zum Erg Cheggaga fahren und dort eine Nacht bleiben. Danach übernachten wir nochmal bei Hassan in der Kasbah.

Die Versorgung bei Hassan ist hervorragend. Er und seine drei Schwestern kümmern sich rührend um unser leibliches Wohl. Sie können sehr gut kochen! Mittag und Abendessen ist immer ein Drei-Gänge Menü und ganz oft gibt es Tee. Hassan zeigt uns sein Museum, welches er extra eingerichtet hat und auch noch kurz die Wohnung seiner Familie, sie selbst wohnen also gar nicht da, wo er uns einquartiert hat. Um Ouled Driss sind Gärten und Palmen. Bald ist das Getreide und die Erbsen reif.

In Ouled Driss

In der größten Hitze halten wir uns in der Kasbah ganz unten auf. Hassan besorgt uns beiden auch noch vernünftige Chechs. Natürlich in Sahara Qualität, die färben auch nicht. Ich habe übrigens alle drei Tücher am Ende des Urlaubs in die Waschmaschine gesteckt, die von Hassan haben immer noch die Farbe, das Tuch aus Essaouira ist fast ausgeblichen! Hätte ich es beim Kauf mit feuchten Händen angefasst, hätte ich es sicher schon merken können.

Gegen 15 Uhr kommt Wind auf und es zieht sich zu. Die Sonne war nur noch milchig zu sehen, nicht hinter Wolken, sondern hinter Sand. Ich bin ziemlich unglücklich, da ich doch fotografieren will. Und was ein noch so kleines Sandstürmchen mit einer Kamera anrichten kann, wusste ich noch von meiner ersten Reise. Wollte mir ja so eine tolle Abdeckung für die Kamera nähen, damit sie für den Sandsturn oder auf anderen Reisen auch vor Regen geschützt ist. Dabei guckt nur das Objektiv heraus und man kann durch eine schmale dehnbare Öffnung die Hand reinstecken um den Auslöser zu betätigen. Aber da hatte ich mich ja leider vernäht....nun warte ich, dass es mal eine Kamera für Linkshänder gibt...

Pünktlich wartet der Kamelführer mit zwei Kamelen in der Oase auf uns. Der Kamelführer ist afrikanischer Herkunft und ein ruhiger Vertreter. Das erste Kamel, welches mich und das Gepäck tragen soll, ist nur unter Protest dazu zu bewegen.



Auf dem Kamelrücken ist der Sand zum Glück nicht ganz so schlimm. Aber die Sicht ist trotzdem mies und es fliegt uns reichlich Sand ins Gesicht und vor allem in die Augen. An Fotos ist kaum zu denken, auch wenn ich die doch auch besondere Wüstenstimmung festhalten will. Das gehört eben auch dazu. Nicht nur blauer Himmel und rote Düne, nein auch milchiger Himmel mit einer Sicht von wenigen Metern.

Sandsturm

Nach ca. 2 Std. kommen wir im Camp an. Eine Neuseeländerin und ein Australier sind bereits da. Wenig später kommen noch ein älteres französisches Paar, eine amerikanische Familie und drei Spanier.

Jede Gruppe bekommt ein Zelt, da drin sind Matratzen und Decken. Gegen Abend lässt der Wind ein wenig nach und meine Hoffnung steigt, dass der nächste Morgen windstill sein wild.

30.03.2010 In der Wüste
Pünktlich zum Sonnenaufgang um 6 Uhr bin ich aufgestanden. Die ersten sitzen bereits auf einer Düne. Nun muss ich nur noch eine geeignete Stelle zum Fotografieren finden, will ja nicht nur Dünen mit Menschen fotografieren.



Der Wind hatte sich gelegt, der Sonnenaufgang und das Licht sind wunderschön und farbenprächtig. Ich weiß gar nicht, was ich zuerst ablichten soll, aber so wie es wirklich war, wird man auf einem Foto nie sehen.

Morgenlicht


Dann muss ich noch Portraits von den Kamelen machen. Die können so herrlich verschroben gucken mit ihren schiefen schlecht geputzten Zähnen. Außerdem habe ich schon fast alle Katzen aus Essaouira und Marrakesch fotografiert.

Knautsch...

Zurück in die Kasbah von Ouled Driss gehe ich zu Fuss, damit ich die Fotos machen kann, die mir gestern verwehrt worden sind.

Um 15 Uhr starten wir mit dem 4 x 4 in die Wüste zum Erg Cheggaga. Unser Fahrer Azouz ist ein echtes Nomadenkind, der erst sein Nomadenleben aufgab, als sein Vater gestorben ist. Am Anfang hat er für Unterkunft und Brot bei Reiseunternehmen gearbeitet. Da wir u.a. einen ähnlichen Weg nehmen wie damals die Piste Paris-Dakar befragten wir ihn, ob es stimmt, was wir über die Tour gelesen hätten. Wir haben den Roman von Alberto Vázquez-Figueroa „ Die Augen der Tuareg“ gelesen. Dort kam die Really gar nicht gut weg. Den Roman kann ich übrigens sehr empfehlen!

Azouz bestätigte, dass bei der Really häufig die Tiere der Nomaden tot gefahren werden und Entschädigungszahlungen (sofern sie überhaupt kommen) bei der Regierung versacken. Außerdem sind die Pisten hinterher für die Bevölkerung nicht mehr brauchbar, weil die Spurrillen viel zu tief sind.

Einen kurzen Stopp haben wir bei einem Taubstummen Nomaden. Azous und er kommunizieren mit Zeichensprache, die aber viel verständlicher war, als unsere Taubstummensprache, auch wenn ich nicht behaupten kann, alles verstanden zu haben.

Der nächste Halt war an einer Oase. Sehr klein, aber mit eigener Quelle, die aus dem Boden sickerte. Die diente der Bewässerung aber auch als Trinkwasser (einen Brunnen gibt es wohl auch).

Plötzlich rauscht ein Jeep an mit mind. 8 Personen (Deutsche oder Schweizer Reisegruppe). Die eine Teilnehmerin stiefelte sofort mit den Füßen in die Quelle (sie hat allerdings ihren Guide vorher gefragt, aber ob ein Stadtmensch aus Marrakesch oder Casablanca sich um Trinkwasserprobleme kümmert?). Das möchte ich sehen, wenn jemand mit den Füssen ihn ihrem Trinkwasser planscht. Ich finde es jedenfalls respektlos, sich am wertvollsten Gut der Wüste zu vergreifen!

Mir ist da auch aufgefallen, wieviel Geld die europäischen Reiseveranstalter mit solchen Reisen machen. Die Gäste haben für die Tour bestimmt das Doppelte oder Dreifache bezahlt und dürfen dafür noch auf dem Dach sitzen....Aber für Abenteuer bezahlt man ja gerne.

Als nächstes kommen wir an den Weideflächen der Kamele vorbei. In der Ferne war es schwarz vor lauter Kamelen. Wie gerne hätte ich in dieser Gegend mehr Zeit verbracht und mehr Ruhe gehabt. So bin ich aus dem Auto gehüpft, in der Hoffnung, die Kamelstute mit dem kleinen Kamel aufs Bild zu bekommen. Ein Kamel hat den frühen Abend sichtlich genossen und sich erstmal im Sand gewälzt und einen kleinen Sandsturm provoziert.

Im Staub wälzen finden auch Kamele toll

Das Camp ist sehr schön gelegen und heute ist auch kaum Wind. Bis zum Sonnenuntergang habe ich mit fotografieren verbracht und danach die Füße in den noch warmen Wüstensand gesteckt. Im Gegensatz zur Wüste gestern ist hier keine Vegetation mehr, die Dünen um einiges höher und dadurch auch so schöne Schattenwürfe, die das Fotografenherz höher schlagen lassen.
Leider wird meine Erkältung schlimmer und entwickelt sich zu einer fiesen Bronchitis. Der Wüstensand und die trockene Luft machen es nicht besser!

31.03.2010 Immer noch Wüste
Dieses Mal bin ich noch ein wenig eher aufgestanden. Habe mir vorgenommen, mich mal der Herde anzuschließen und auf die gleiche Düne zu gehen. Wenn alle auf der gleichen Düne stehen, ist der Rest mehr oder weniger Menschenleer. Auch schön. Aber was war? Das Morgenrot war schon prächtig zu sehen und ich bin die Einzige, die bereits aus dem Zelt gekrochen ist. Damit hab ich nun nicht gerechnet. Mir ist es sehr recht die Landschaft in aller Stille zu genießen.



Ich bleibe lange alleine. Ich gehe in Richtung große Düne und mache viele Fotos, aber fast alle Teilnehmer bleiben im Camp oder in der Nähe des Camps. Nur schade, dass Christian nicht dabei ist, aber der hat sicher die Gunst der Stunde genutzt und sich nochmal umgedreht ohne wach gehustet zu werden.

Nach dem Essen haben es alle wieder eilig. Besonders die Guides. Damit der Aufbruch deutlicher wird und sich auch keiner mehr recht wohl fühlt, wird schon mal der Geländewagen angeworfen. So sitzt man also auf der Düne und statt Stille hat man das Dieselgerassel als Geräuschkulisse. Bis die Gruppe dann endlich loskommt, gehen gut 30 Minuten ins Land. Was mir daran überhaupt nicht klar ist, die Benzin und Dieselpreise sind in etwa wie bei uns. Als sich eine Gruppe vom Acker gemacht hat und wieder Ruhe im Camp war, hätte ich noch gut eine Stunde auf der Düne sitzen können. Aber Hassan drängte zum Aufbruch.

Wir nehmen einen etwas anderen Rückweg, damit wir mehr Wüste sehen. Wir kommen nochmal an der Kamelherde vorbei, einige sind auch etwas dichter am Weg.



Zum Sonnenuntergang sind Christian und ich dann nochmal durch den Palmenhain zu den Dünen gegangen, wo wir vorher mit dem Kamel entlang gegangen sind und haben dort einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt.


Mehr Wüstenbilder:
http://www.shiwa-fotodesign.de/reisen.html

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