Hintergrund

Freitag, 9. April 2010

Taroudant

04.04.2010 Fahrt nach Taroudant
Wir wollen, d.h. wir müssen mit Kreditkarte zahlen, weil es in Taliouine keinen Geldautomaten gibt (einen wird es bald geben, wenn die Bank fertig ist) und wir nicht mehr genügend Bargeld haben. Dummerweise fällt nun schon zum zweiten Mal morgens der Strom aus...da wir es nicht so eilig haben weiterzukommen, verdösen wir einfach ein wenig den Tag.

Wir essen gerade zu Mittag als eine deutsche Familie einfällt. Die Kinder schrien alles zusammen. Das Mädel wiederholt jeden Satz zig Mal, schreit nach Pommes und einem Unterhaltungsprogramm. Wie hab ich das vermißt. Wahrscheinlich wäre es nicht so nervig, wenn man nicht jedes Wort verstehen würde. Manche marokkanischen Kinder müssen in dem Alter den ganzen Tag Ziegen hüten und diese Prinzesschen hier können noch nicht mal eine halbe Stunde still sitzen ohne herumzuschreien.

Zwei Tage vorher hatten wir in einem Restaurant eine marokkanische Großfamilie mit ganz vielen kleinen Kindern. Die waren auch aufgedreht, weil da auch Katzen waren, die sie zum Ärger von Papa mit Fleisch fütterten, aber so ein Geschrei haben die nicht gemacht.

Gerade entscheiden wir uns, doch noch der Kasbah einen Besuch abzustatten, als der Strom wieder geht. Wir können bezahlen und die beiden vom Hotel sind sogar so nett, uns mit dem Auto nach Taliouine zu fahren. Das Sammeltaxi ist schnell gefüllt und wir sind im Nu in Taroudant. Es ist Sonntag und die Stadt wirkt ausgestorben. Wenigstens quatscht uns keiner an. Tja, welches Hotel nehmen wir? Hotel Tiout ist ausgeschildert. Im schlauen Buch steht:“Hübsches, ordentliches und empfehlenswertes Mittelklassehotel. Sehr sauber und freundlich.“ Das klingt doch gut. Also für die letzten zwei Nächte doch hoffentlich ok.

Für 250 DH incl. Frühstück kann man ja nicht so viel falsch machen. Das Badezimmer ist in der Tat auch sauber. Leider riecht das Zimmer etwas nach Rauch, aber geht noch. Ansonsten hört man jedes Geräusch, wie wir später feststellen werden. Z.B. den Fernseher der Nachbarn und besonders die Autos im Innenhof, die auch hier ihre Autos erstmal eine halbe Stunde (!) vordieseln lassen. Der Geruch ist natürlich auch ganz apart. Die Wasserleitungen hören sich immer nach einer mittleren Katastrophe im Haus an.

Nach einigen Tagen Natur ist es schwer, sich an eine Stadt zu gewöhnen. Wenigstens sind die Preise hier nicht so gestiegen wie in Marrakesch und die Menschen hier sind zurückhaltender.

Wir essen auf dem Platz Aliouine zu Abend und beobachten die Menschen, die sich hier herumtreiben. Klebstoff schnüffelnde Jugendliche – ob sie hier gestrandet sind auf dem Weg nach Tanger und dem Sprung in eine für sie bessere Welt? Das Unterhaltungsprogramm auf dem Platz ist sehr viel leiser als auf dem Jemma el Fna in Marrakesch, aber es zieht viele Menschen der Stadt an. Touristen sehen wir nur wenige.

Dann ruft der Muezzin und schlagartig bewegen sich viele Männer in die Moschee und der Platz ist fast leer. Taroudant ist traditioneller als viele andere Städte, hier sind die Frauen oft noch tief verschleiert. Einige Frauen tragen diese blauen Gewänder, die mich arg an eine Burkha aus Afghanistan erinnern. Nur das Gitter fehlt.

05.04.2010 Taroudant
Das Frühstück ist eine Enttäuschung. Es ist noch nicht spät, aber alles leer gefressen und nichts nachgelegt. Wir versuchen es mit Kaffee, aber da kommt nur eine dickflüssige krümelige Brühe raus. Wir fragen nach, ob es denn noch was gäbe. Der Zuständige fürs Frühstück fragt, was wir gerne hätten und ich sage Café au lait. Da kippt er die Tasse mit Milch voll, schüttet die restlichen Krümel aus der Kaffeekanne, die ich auch schon in der Hand hatte, dazu und stellt sie uns hin. Er hätte genauso gut auf einen Teller scheißen können und sagen: hier ist euer Mittagessen. Ich hätte ihm das Zeug am liebsten ins Gesicht gekippt. Ich glaube, das Hotel lebt ausschließlich von Reisegruppen, die hier übernachten.

Wir gehen also wieder auf den Platz Alioine ins Café von gestern abend. Die beiden Kellner kennen uns noch vom Vorabend, begrüßen uns herzlich und nach dem viel besseren Frühstück bessert sich meine Laune auch langsam. Aber längerer Schlafmangel kombiniert mit schlechtem Kaffee geht einfach gar nicht. Wie am Vortag hofft der Kartenleger auf Publikum und trompetet alle paar Minuten eine kleine Melodie auf seiner Trompete. Die Jungs mit den Plastiktüten vor der Nase sind auch schon wach und laufen geschäftig hin und her.

Heute schauen wir uns nur die Stadt an und machen uns auf die Suche nach der Arganienkooperative. Auf dem Weg zur dorthin kommen wir an einem Schlachter vorbei. Am Gitter, welches seinen Laden von den Kunden trennt, sitzt eine Katze und hofft inständig, dass sie mit ihren Blicken ein paar Leckereien herausgucken kann. Ich mache ein Foto und komme mit dem Schlachter ins Gespräch. Daraufhin bekommt die Katze eine Kleinigkeit. Ich glaube, die Marokkaner mögen Katzen. Das Bild hier ist von einem anderen Schlachter, mir ist erst später aufgefallen, dass Eier und Fleisch direkt vor Ort produziert werden.

Die Hühner sind hier besonders frisch...

Der Arganienladen war schwierig zu finden, da wir uns schon im Wohngebiet vermuten. Dann sehen wir sie – aber geschlossen. Da läuft uns ein Mann entgegen und weist uns darauf hin, dass geöffnet ist. Das hatten wir gar nicht gesehen. Die Erklärung der Produktion ist etwas dürftig, obwohl hier einiges zur Präsentation liegt, aber wir sind dankbar, dass die Dame zumindest ein wenig Englisch spricht. Die beiden Frauen, die auf den Mühlsteinen herumdrehen und die Arganien auszupressen (so ganz verstehe ich das nicht) dürfen wir auch fotografieren. Natürlich gegen eine Spende, der Spendentopf steht direkt davor. In einem Moment, als sie sich unbeobachtet fühlen, packen sie die großen Scheine und Euro Münzen nach oben....das ist ganz geschickt, fast wären wir auch drauf reingefallen.

Verarbeitung des Arganöls


Leider gibt es keine großen Flaschen mit Speisearganienöl (mehr), also erstehen wir zwei Kleine und eine Seife.

Nun möchte ich aber zu meiner Avocadomilchshake Bar! Darauf freue ich mich doch schon den ganzen Urlaub! In Marrakesch gab es den tollen Laden leider nicht mehr. Das Getränk schmeckt vorzüglich. Weiche Avocado mit Milch und Zucker und in diesem Falle evtl. noch eine oberleckere Geheimzutat (evtl. Mandel?). Christians Fruchtshake war auch großartig. Frische Früchte gemixt und bezahlbar!

Am späten Nachmittag sitzen wir in einem schönen Café gegenüber der Stadtmauer. Traditionell sind nur Männer dort. Die verschleierten Frauen sitzen gegenüber auf der Bank an der Mauer.

Frauentreff (Fotografiert vom "Männertreff" - dem Teehaus)

06.04.2010 Nach Hause
Mit dem Sammeltaxi wollen wir nach Inezgane. Wir können auch drei Plätze buchen, das ist gut. Dann ist es hinten nicht so eng. Normalerweise sitzen neben dem Fahrer zwei Fahrgäste und hinten vier. Da wir von Taroudant kommend am Flughafen vorbeikommen, können wir sogar direkt an der Straße aussteigen, wo wir am Anfang auch eingestiegen sind. Das klappt ja prima.

Alles geht schnell, nur das Gepäck in Hamburg braucht ewig. Wahrscheinlich ist nur ein Schnüffelhund für das Gepäck aus Marokko im Dienst. Das arme Vieh...an meinem ollen Rucksack schnüffeln ist bestimmt kein Vergnügen. Ein paar Fluggäste aus Lanzarote müssen anscheinend beim Zoll ihre zollfreien Schätze offenbaren.

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