Hintergrund

Samstag, 10. April 2010

Marrakesch

25.03.2010 Fahrt nach Marrakesch
Da der frühe Supratours Bus schon ausgebucht war und wir nicht bis halb vier warten wollen, sind wir zu den privaten Buslinien gefahren. Dort werden wir auch gleich umgehend in die nächste Gurke verfrachtet. Kostet nur den halben Preis und war auch nicht viel langsamer. Aber vermutlich ruhiger, da die überwiegend Marokkanischen Reisenden noch nicht mit MP3 Playern ausgestattet sind. Die Strecke von Essaouira nach Marrakesch wird gerade neu ausgebaut, daher geht es zur Zeit eh etwas langsamer voran, da immer wieder Ausweichstrecken über Pisten gehen.

In Marrakesch sind wir gleich zum Hotel Zitoun, ganz in der Nähe vom Jemma el Fna gegangen, dort hatte ich 2004 schon mal gewohnt. Am Empfang wird mittlerweile sogar gut englisch gesprochen. Das ist mir generell aufgefallen, im Vergleich zu meiner Reise 2004 können sehr viel mehr Marokkaner englisch. Das Hotel ist sehr günstig und das Bad ist extern. Beim letzten Mal hatte ich es fast für mich, weil nichts los war. Am Abend stellten wir allerdings fest, dass es dieses Mal fast ausgebucht war. Und in der Nacht merke ich, dass mir ein eigenes Bad doch sehr fehlt.

Jetzt im April sind deutlich mehr Gäste in der Stadt als damals im Februar. Der 11.9. ist nun auch eine Weile her und die Europäer reisen wieder in Muslimische Länder. War gar nicht so einfach ein Café zu finden, wo man auch bedient wird. Die Preise in Marrakesch haben sich inzwischen fast verdoppelt! Ein Getränk (Eintritt) auf der Dachterrasse kann inzwischen schon mal 20DH kosten.

Die Gassen, durch die ich bei den letzten Malen so gerne geschlendert bin, sind jetzt anstrengender geworden, da immer mehr Mopeds durchfahren. So entspannt wie damals ist es nicht mehr. In Ländern wie Marokko kann in 6 Jahren viel passieren.

Djemma el Fna in Marrakesch

Da ich dieses Mal auch mit Ehemann unterwegs bin, sind mir auch die Anbändelversuche erspart geblieben. Dafür gibt es dann andere merkwürdige Begegnungen. Wir trinken auf dem Platz Gewürztee, als ein ca. 12 J. Alter Junge mit weißer Schürze erstmal jeden per Handschlag begrüßt. Da wir ihn für den Enkel des Verkäufers halten, da er auch gleich Tee für Neuankömmlinge ausschenkt, denken wir uns nichts dabei. Wir amüsierten uns im Stillen etwas über die vom großen Bruder einstudierten Gesten, das joviale auf die Schulter klopfen und die Sprüche, die für ihn einfach eine Nummer zu groß wirken. Woher wir kommen, wie lange wir da sind usw. Dann erzählte er, seine Mutter wäre gestorben. Das hab ich ja noch geglaubt, aber der Rest der Story kam zu schnell hinterher....Papa auch tot, er hat niemanden, sein Bein ist kaputt, keine Arbeit. Und dann wiederholt er sein Mantra: MP3 MP3 MP3...Klammerte sich an mich und war fest der Meinung, dass er nun mein Herz erweichen könnte.

Da ich aber kleine Jungs mit lauten Handys und MP3 Playern nicht besonders gut leiden kann, ist er bei mir ja eh schon mal falsch. Und Leute, die sich zu Schmeißfliegen entwickeln, mag ich schon mal gar nicht. Diese sind mir auf dem Platz allerdings schon auffallend häufig begegnet...

Übernachtung erste Nacht: Hotel Zitoun, keine homepage, Doppelzimmer 100 DH, Bad und WC extern

26.03.2010 Marrakesch
Wir vermissen beide das eigene Bad....also beschließen wir, uns ein neues Hotel zu suchen. Ein paar Meter weiter ist das Jnane Mogador, eine Empfehlung von Lamya aus Essaouira. Es ist leider schon ausgebucht, aber sie arbeiten mit einem anderen Hotel/Riad ähnlicher Preislage zusammen, wenn wir wollen, werden wir abgeholt und hingeführt.

So lernen wir das Palais des Princesses kennen. Ganz neu, vom feinsten, aber ein bißchen teuer. Aber egal, letzte Nacht haben wir gespart...Haben dann aber das etwas kleinere Zimmer genommen. Allerdings darf man nicht stark übergewichtig sein....das Bett ist etwas unsinnig platziert. Ein Himmelbett und rechts und links nur minimal Platz und am Fußende leider ein noch hochstehendes Metall. Also nicht ganz durchdacht. Aber schick sieht es aus und die Dachterrasse ist super!

Unser Hotel
Am El Badii Palast kommen wir genau zur Mittagspause an. Aber wir entdecken die Kosybar ganz in der Nähe. Noble Dachterrasse und es gab Bier und Wein. Ja, jetzt hauen wir richtig auf die Kacke...

Aber eigentlich sind die Frauen am Nebentisch Schuld...die hatten sich Rosé bestellt, der sah so lecker aus, dass ich den auch haben muß...So konnten wir es gut bis Ende der Mittagspause aushalten und von dort Störche beobachten, die auf dem El Badii Palast nisten.

El Badii Palast

Bei der Hitze ist das natürlich nicht so super und so lief ich ziemlich platt dann durch den El Badii Palast und zum Bahia Palast gingen wir nur noch, weil er direkt auf dem Weg lag. Ich hatte mir beide spannender vorgestellt. Am meisten begeistern mich die Störche.



Abends haben wir mal auf dem Platz gegessen. Haben uns einen Stand ausgeguckt, wo schon einige Marokkaner essen. Es gab fritierte Tintenfischringe, Tajine und Brot, Auberginen und Sardinen. War alles lecker, aber ich frage mich trotzdem warum alles immer und ständig mit den Fingern angefasst wird. Besonders wenn man vorher gerade einen abgegrabbelten Schein entgegen genommen hat...
Aber uns geht es auch hinterher gut, Dreck reinigt den Magen. Das hat mir schon Mutti immer gesagt.

Übernachtung 2. und 3. Nacht, Zimmer ab 60 Euro:
http://www.riadetpalaisdesprincesses.com/

27.03.2010 Marrakesch
Ich wollte ja immer noch die Gerbereien besichtigen. Laut Reiseführer soll man da morgens hingehen, wenn dort am meisten Betrieb ist. Leider sind da aber die Farbtöpfe schon abgedeckt, wegen der Sonne.

Natürlich hat uns auf dem Weg ein Guide abgefangen, der auch extra betont, dass er kein falscher Guide ist...Da wir uns mit dem Weg nicht sicher waren und dachten, wenn wir den ersten nehmen, lässt uns ein zweiter in Ruhe, folgten wir ihm. Wir hätten auch tatsächlich an jeder Ecke neu überlegt, von daher finden wir es durchaus in Ordnung, wohl wissend, dass er natürlich dafür Geld haben möchte. Er lieferte uns also bei der Gerberei seines Vertrauens ab und wir werden gleich vom „Offiziellen Guide“ der Gerberei weitergeführt. In mäßigem englisch rappelt er etwas lieblos in 10 Minuten alles runter, was man wissen sollte, sagt mir, wo ich Fotos machen darf und wo nicht. Und dann müssen wir uns natürlich auch die Endprodukte (Taschen und Puschen aus Leder) anschauen und die Arbeiten der Frauen (Kelims).

Gerberei

Also gut, auch noch eine Verkaufsveranstaltung. Aber gut, vielleicht gibt es ja einen schönen Lederrucksack, da unser Tagesrucksack gerade den Geist aufgibt (Nähte aufgerissen). Nach einigem Feilschen erstehen wir einen schönen hellbraunen Rucksack aus Kamelleder. Ich glaube, sie hätten uns lieber ein paar Kelims verkauft, da ist die Gewinnspanne größer.

Am Ausgang erscheinen wieder beide Guides. Der von der Gerberei meint nun, es wäre ja nun Zeit ihn zu bezahlen (aber muss er das so unfreundlich sagen?). Von den anderen Deutschen in der Kosybar hörten wir, dass sie 20 DH gegeben hatten und der Guide damit zufrieden war. Also gingen wir von 20DH aus. Er will aber 150 DH haben. Es wäre ja nicht nur für ihn, sondern für andere Leute. Er ist dabei sehr bestimmt und unfreundlich und erwähnt mit keinem Wort, wer denn die anderen Leute sind. Dem arme Mann, der im Ammoniak steht? Den hätte ich ja nach einem Foto selbst was geben können. Ein offizieller Stadtguide in Marrakesch bekommt 120 DH für einen halben Tag und 150 DH für einen ganzen Tag. Eintritt im Museum kostet 10 – 20 DH.

Wir haben beiden 20 DH gegeben. Der eine ist positiv überrascht, der andere sauer. So kann es gehen, aber für Unverschämtheit mehr bezahlen sehe ich gar nicht ein. Hätte er es netter rübergebracht oder nur wenig mehr gefordert, hätte er es ja sicher bekommen. Aber so? Soll er doch Eintritt nehmen, dann kann man sich das ja vorher überlegen, ob es das wert ist.

Als nächstes wollen wir uns bei CTM ein Ticket nach Zagora kaufen. Wir wußten allerdings nicht, dass die inzwischen einen neuen Busbahnhof gebaut haben und wundern uns, warum wir Sahara Travel Service nicht finden, die ja in der gleichen Straße sein sollen (Straßennamen stehen nur selten irgendwo dran).

Im nächsten Taxi klärt sich das Mißverständnis auf und er fährt uns zu der Straße, wo die Wüstentrekking Agentur sein sollte. Eine gefühlte Stunde später fanden wir die Agentur. Wir klingeln und es machte eine Bürodame auf, die absolut nicht darauf eingerichtet ist, dass sich hier hin Touristen verirren. Schade, dass es aber auf ihrer homepage so aussieht, als könne man vorbeigehen...
Nach einigen Verständigungsproblemen gaben wir auf und zogen von dannen.

Am Nachmittag sind wir noch ein wenig auf Shoppingtour durch die Souks gelaufen. Ein neuer Bettüberwurf wäre nicht schlecht. Die Tücher sind entweder 2 x 3m groß oder auch 2 x 2m. So sagen die Händler. Wer einen Bettüberwurf benötigt, der auch über ein Doppelbett paßt, sollte nachmessen! Statt 2m war unser Bezug nur 1,30m breit...hätte man im Laden merken können...aber da alle Händler diese Maße erwähnten, waren wir ein wenig zu vertrauensseelig. Beim Waschen läuft er etwas ein, bei einem Materialmix leider nicht gleichmäßg...Das nur als Tipp am Rande.
Wir haben auch einen teureren erstanden, der auch ein sehr schönes Muster eingewebt hatte, der war ok. Mal sehen, wie er die erste Wäsche übersteht..

Ansonsten noch folgende Begebenheit. Ein Händler kam auf mich zu und fragte uns, was das Wort "Stoffwechselstörungen" bedeutete. Er machte auch einen gebildeten Eindruck, daher dachte ich mir zunächst nichts. Eine Weile rätselten wir, wie man das wohl erklären könnte. Dann wollte er uns in einen Laden locken (vielleicht war dies auch der Aufhänger), als wir nicht wollten, fragte er nach Kugelschreibern aus Deutschland. Hm, aus dem Alter ist er aber schon lange raus, dachte ich.

Als wir weitergingen, war mein Rucksack komplett geöffnet. Aber es fehlte nichts! Ich möchte nicht ausschließen, dass ich den Rucksack selbst offen gelassen habe, passiert mir ab und an. Das Wichtigste hatte ich auch in der Hand. Aber bei solchen skurilen Fragen, sollte man vielleicht nicht sein Gepäck vergessen...

Mehr Bilder von Marrakesch:
http://www.shiwa-fotodesign.de/marokko3.html

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