Hintergrund

Samstag, 10. April 2010

Taliouine - Anti Atlas

01.04.2010 Fahrt nach Taliouine
Wie gerädert packe ich um kurz nach 5 Uhr meine Sachen zusammen. Habe fast nicht geschlafen, sondern nur gehustet. Von Hassan bekommen wir ein Lunchpaket, da es uns zum Frühstücken noch zu früh ist. Um 6 Uhr fährt der Bus in M'hamid ab, ist also ca. 10 min später Insha-Allah in Ouled Driss. Wir treffen wie beiden Französinnen, die wir auf der Hinfahrt bereits getroffen haben (bei einer war der Koffer nicht bis Ouled Driss gekommen). Gestern hat sie ihren Koffer aber wiederbekommen.

Die Landschaft kann ich nun endlich ohne Übelkeit genießen. Vulkangestein und alte Vulkane prägen das Bild. Aber ab Zagora haben wir wieder das große Los gezogen. Es wird kurviger und vor uns sitzen wieder eine Mutter mit Sohn und beiden ist schlecht und machen wieder ihr Tütchen voll. Zum Glück hab ich dieses Mal meinen Amberstein aus Essaouira in der Tasche und kann ein wenig „Gegenschnuppern“. Das hilft.

Ich versuche ein paar Fotos aus dem Fenster zu machen, ich sitze nämlich an einer ganz gut geputzten Scheibe und habe heute kaum Reflektionen.

unterwegs im Antiatlas

In Ouarzazate haben wir 90 Minuten Pause bis zum nächsten Bus in Richtung Agadir. Es reicht gerade um hastig eine Tajine zu verdrücken, die nicht gleich fertig war. Dafür war sie um so besser. Da wo man es am wenigsten erwartet.

Der Bus war nur halbvoll, aber die dickste Tante musste sich direkt am Ausgang neben den Fahrer setzen. Ist ja nichts gegen einzuwenden, aber wäre schon nett gewesen, wenn sie wenigstens aufsteht, wenn man aussteigen will. Statt dessen ruft immer „Attention“, weil ihre Tüte im Weg lag und wir bitteschön da nicht drauf treten sollen. Ich tue es trotzdem. Das mit dem Fliegen habe ich den Möwen noch nicht abgeguckt.

Da wir Taliouine ganz spontan in unsere Reiseplanung aufgenommen haben, richten wir uns nach dem Därr Führer. Das Le Safran kannte ich auch noch von einer Reise aus 2003. Da war es ganz ok, hatte es aber sehr einfach in Erinnerung. Also probieren wir ein zentraleres aus dem Buch aus und landen im „Siroua“. Als wir nach einem Zimmer fragten, eilten sofort zwei Personen und müssen das Zimmer wohl erst „flott“ machen. Es scheint seit Jahren keiner mehr dort gewesen zu sein.

Das Bett wurde gerade frisch bezogen und das Zimmer gewischt. Der Wasserhahn war aber defekt und die Toilette ekelig. Also das „sehr sauber“ kann aus dem Reiseführer gern gestrichen werden. Da wir schon mal hier sind, zudem nur 100 DH bezahlen müssen, nehmen wir es. Irgendwie eine blöde Idee, aber wir hatten keine Lust, das Gepäck zum Ende des Ortes zu tragen. Sie geben uns allerdings das Nebenzimmer, wo das Waschbecken auch funktioniert und die Toilette nicht ganz so ekelig ist. Dafür quietscht das Bett und ein Nachttisch fehlt mir, wo ich doch gerade abends immer meine „Erkältungsutensilien“ auf dem Nachttisch aufbaue.

Der Ort gibt nicht viel her, auch wenn ich ihn irgendwie mag. Hier ist noch nicht viel Tourismus und dadurch ist alles etwas beschaulicher und man fühlt sich nicht an jeder Ecke abgezockt. Auch wenn wir vielleicht trotzdem immer etwas mehr als andere bezahlen, sind sie wenigstens so schlau, es uns nicht merken zu lassen.

Wir machen uns auf die Suche nach dem „Soukthana“, weil dort Trekkingtouren angeboten werden. Mal sehen, ob es was für uns gibt. Vom Schuhwerk sind wir gar nicht gut ausgerüstet, da es ja eigentlich in die Kasbah von Ouarzazate gehen sollte und nicht auf einen Berg. Wir kamen am „Le Safran“ vorbei, auch dort werden Trekkingtouren angeboten. Auch bin ich neugierig, ob ich etwas wieder erkenne. Die haben mächtig was getan. Ein Stockwerk draufgesetzt, eine nette Dachterasse noch dazu und alles neu gestrichen. Also die Tipps im Reiseführer müssen unbedingt korrigiert werden.


Mit Nourdine, dem Mitinhaber und auch Trekkingführer haben wir eine Tagestour für den nächsten Tag verabredet und wir nehmen dann auch gleich ein Zimmer dort. Er hat dort ein dickes Fotobuch, wo ihm Gäste die Fotos der Touren zugeschickt haben. Da finde ich doch glatt zwei meiner Fotos, die ich 20023zugeschickt hatte. Wir hatten damals eine Trekkingtour auf eigene Faust unternommen und privat bei Hussein und Brahim gewohnt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Taliouine. Am nächsten Morgen hat uns Hussein wieder zum Hotel geführt (wir sind am Tag vorher mit dem Bus gefahren). Da er den Besitzer kannte, hatte ich die Bilder dorthin geschickt. Von Nourdin erfuhr ich dann, was aus der Familie weiter geworden ist. Hussein wohnt bei einem anderen Sohn in Agadir, Brahim ist noch Gärter im „Le Safran“ und eine Tochter hat geheiratet.

Das Gästebuch vom Hotel Safran - Das Bild rechts oben stammt von mir aus dem Jahr 2003


02.04.2010 Trekkingtour im Anti Atlas
Wir verlassen unsere Herberge Siroua, nachdem der Besitzer zum Glück schon wach war und uns das Tor aufschloss. Wir hofften, dass er seinen neuen kleinen Hund auch endlich aus dem Verschlag befreit, nachdem er ihn in der Nacht eingeschlossen hat. Vermutlich wegen der Bellerei. Der Kleine winselte und wollte raus. Er war zwei Monate alt und wir nannten ihn Monsieur.

Monsieur ist sehr verspielt


Frühstück gabs im Le Safran und dann ging es los. Über Stock und Stein und das mit meinen Schuhen! Mir taten schnell die Füße weh und ich schwor, nie wieder ohne Wanderschuhe zu verreisen! Ein Glück hat Nourdine vorher gesagt, dass meine Schuhe kein Problem sind und gut, dass er nicht erwähnt hat, dass er mit uns eine 20km Tour gehen will....


Wir hätten es sonst sicher nicht gemacht und eine wunderschöne Wanderung verpaßt. Für Christian der Grund, wieder nach Marokko zu kommen! Für mich war es auch mit der Wüste das schönste Erlebnis! Zum einen tat mir Bewegung mal wieder gut und zum anderen gab es trotz der kargen Landschaft viel zu entdecken. Wir gehen an der alten Kasbah aus dem 18. Jahrhundert vorbei, der die starken Regenfälle vor 2 Monaten den Garaus gemacht hatten. Diverse Mauern sind weiter eingestürzt und es wohnt jetzt nur noch eine Familie darin.


Nach starken Regenfällen nun endgültig nicht mehr bewohnbar

Hinter der alten Koranschule, von der nur noch die Außenmauern stehen, geht es steil bergauf. Meine Kondition zusammen mit den schlechten Schuhen machen mir zu schaffen. Aber es ist der einzige Aufstieg. Es folgt ein Weg durch diverse Bergdörfer. Zu meiner großen Freude blüht der Mohn!



Nourdine ist ein sehr angenehmer Mensch, mit dem wir gerne nochmal eine längere Tour unternehmen wollen (dann werde ich aber auf das Muli oder den Esel bestehen, auf den ich in Frankreich verzichten musste...). Das Picknick zum Mittag haben wir unter schattigen Olivenbäumen eingenommen. Es war einfach, aber sehr schmackhaft und es gab sogar Tee. Ein frischer Salat aus Tomaten und Gurken mit einer Dose Sardinen und einem gekochten Ei.


Nourdine unser Guide

Unsere Wasservorräte haben wir leider sehr knapp bemessen, denke, dass er die Tour deshalb ein wenig abgekürzt hat. Aber 20km mit Stadtschuhen war auch erstmal genug...
Abends sind wir total kaputt, die Füsse schmerzen. Das Hotel ist sehr gut belegt, da eine Motorradgruppe abgestiegen ist und mehrere Familien. Leider ist der Flur recht hellhörig und manchen ist die Funktion eines Türgriffes gänzlich unbekannt. Aber nachts ist es ruhig.

Übernachtung im Hotel Le-Safran, Zimmer um die 200 DH: http://www.auberge-safran.fr.fm/

03.04.2010 Taliouine
Der Eintrag für heute ist einfach: wir haben nichts gemacht. Fast alle Gäste sind wieder abgereist, weil auf der Durchreise oder auf Trekkingtour gegangen. Ich habe alle Katzen des Hauses fotografiert...
Morgens hatten wir Stromausfall bis Nachmittags.

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